Freundeskreis für die Partnerschaft der Städte Lublin und Münster plant mit der Wohn- und Stadtbau und der Villa ten Hompel eine Friedensgeste am Ring
„Baum des Gedächtnisses und der Zukunft“ steht für festere Wurzeln auch im menschlichen Miteinander Erinnern an den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939: Freundeskreis für die Partnerschaft der Städte Lublin und Münster plant mit der Wohn- und Stadtbau und der Villa ten Hompel eine Friedensgeste am Ring und besondere Austauschbegegnungen.
Mit einer geschichtsbewussten Geste erinnern der Freundeskreis für Münsters heutige Partnerstadt Lublin in Polen und die Villa ten Hompel an die Leiden, Folgen und Lügen der NS-Propaganda während des deutschen Überfalls auf Polen, der morgens am 1. September 1939 den Zweiten Weltkrieg entfesselte. Ein „Baum des Gedächtnisses und der Zukunft“ wird künftig die Gräuel der Besatzungsherrschaft nach dem Überfall, aber eben auch die schwierige Suche nach friedlicher Gemeinsamkeit beider Länder seit dem Ende der Teilung Europas in 1989/90 symbolisieren, als das wiedervereinigte Deutschland und das vom Kommunismus befreite Polen einen Nachbarschaftsvertrag schlossen und sich nach harten Grenzkonflikten, Flucht- und Vertriebenenfragen erstmals versöhnlich einigten. Vereinsvorsitzende Joanna Harmus und ihr Vorstandskollege Stefan Querl, der den Geschichtsort der Stadt Münster leitet, kündigten für 2027 neben der Anpflanzung besondere Austausch-, Ausstellungs- und Vortragsprogramme in Münster wie auch in Lublin an. Schließlich sei der Freundeskreis 1992, im Jahr des Inkrafttretens des Nachbarschaftsvertrages, aus der Taufe gehoben worden: Einen Tag zuvor hatten beide Städte ihre Partnerschaft feierlich besiegelt. Zahlreiche Schulen und Hochschulen, Sportvereine, Chöre, Kirchen, Synagoge, Geschichtsinteressierte und Kulturschaffende tragen sie mit.
Dem Engagement vor dem Gedenk- und Themenjahr zum 35-jährigen Bestehen zollte jetzt Oberbürgermeister Tilman Fuchs mit dem kommunal getragenen Unternehmen Wohn- und Stadtbau Respekt, denn der besondere Baum wird zur saisonal geeigneten Zeit auf einem Grundstück der Wohn- und Stadtbau am Ring gärtnerisch in die Erde gepflanzt. Inzwischen bestehe mit Rishon-le-Zion am Mittelmeer in Israel eine Dreieckspartnerschaft, die auch „solidarische Offenheit“ in Richtung der Ukraine ausstrahlt, dort in die kriegsgebeutelte Stadt Winnyzja. Über solche Einzelheiten und Ideen der Beziehungspflege informierten mit Joanna Harmus (2.v.l.) auch Ulla Freudenberg (3.v.r.), Michael Kofort (2.v.r.), Uwe Stosch (r.) und Sabine Aust, Agnieszka Beckschulte, Esther Wilke, Andreas Wojcik (hier alle nicht im Bild) mit weiteren Aktiven aus dem Verein die interessierten Gäste des NRW-Tages am gut besuchten städtischen Stand des „Büros Internationales“ auf der „Dialog und Vielfalt“-Meile, an dem auch Programme des Geschichtsortes Villa ten Hompel stark gefragt waren.
In der Stadtbücherei diskutierte zuvor ein Podium unter Moderation von Stefan Querl (l.) die Gesten und den Geist des deutsch-polnischen Gedenkstätten-Forums, das weitere solcher Baumanpflanzungen anstrebt und Projekte plant, aber sich auch „festere Wurzeln“ für das menschliche Miteinander in beiden Nationen wünscht. „Trotz Sprachbarrieren ins Gespräch über die Geschichte und die Gegenwart zu kommen, das ist östlich wie westlich der Oder-Neiße-Grenze weiterhin kein leichtes Unterfangen“, lautete das Fazit auf dem Fachpodium, auf das große Konferenzen in Dresden und in Danzig, dem heutigen Gdansk, folgen werden im Herbst und Frühjahr. Davon berichtete Stefan Querl u.a. mit Dr. Julana Bredtmann, die Leiterin des Gedenkstättenreferats in der Topographie des Terrors in Berlin auf dem NRW-Tag. Im März waren Lublin und die Gedenkstätte Majdanek dort offiziell die Gründungsorte gewesen.
