Station 15

Verfolgung der Juden

Stolpersteine Familie Voos, Platz des Westfälischen Friedens

Das Klassenfoto der Jüdischen Volksschule in Münster aus dem Jahr 1940 – aufgenommen im Hof der Marks-Haindorf-Stiftung Am Kanonengraben 4 – zeigt Rabbiner Dr. Julius Voos mit seiner Frau Stephanie, Isaak Pels, Else und Hermann Scheuer. Nur fünf der 24 Schüler und Schülerinnen überlebten die Shoah.

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Quelle: Andreas Determann, Matthias M. Ester, Christoph Spieker, Die Deportationen aus dem Münsterland, Münster 2008, S.70, Villa ten Hompel Aktuell 10

Mitte 1940 war die Ausgrenzungs- und Vertreibungspolitik der Nationalsozialisten noch nicht in die Verschleppungs- und Vernichtungspolitik übergegangen. Das Haus in der Marks-Haindorf-Stiftung in Münster beherbergte die jüdische Volksschule. Jüdische Schüler durften ab 1939 nicht mehr „normale” Schulen besuchen.

Auf dem Klassenfoto im Hof der Marks-Haindorf-Stiftung aus dem Jahr 1940 steht Irmgard Heimbach-Ohl (in der dritten Reihe von unten, außen links). In ihren „Lebenserinnerungen” schreibt sie nach dem Krieg über die Persönlichkeit ihres verehrten Lehrers Rabbiner Dr. Julius Voos:
Unser Rabbiner und Lehrer Dr. Voos gab uns alles, was in seinen beschränkten Möglichkeiten nur denkbar war. Er war uns mehr als ein väterlicher Freund. … In all dieser Enge und bei all unserem Leid in dieser Zeit  hat er uns unendlich viel gegeben, viel gelehrt und es verstanden, uns Kinder glücklich zu machen, den Alltag für Stunden zu vergessen.”

(Quelle: Gisela Möllenhoff / Rita Schlautmann-Overmeyer, Jüdische Familien in Münster 1918-1945 Biographisches Lexikon, Münster 1995, S. 480)