Kinder aus verbotenen Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiter*innen

Vortrag und Gespräch am Mittwoch, 18. Februar, 19 Uhr in der Villa ten Hompel: Die Veranstaltung wird per Zoom übertragen.

Während des Zweiten Weltkriegs mussten rund 13 Millionen Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter*innen im Deutschen Reich arbeiten. Das Verhältnis zwischen ihnen und Deutschen war vom nationalsozialistischen Rassismus geprägt. Beziehungen, die über das für die Arbeit erforderliche Maß hinausgingen, wurden streng reglementiert. Bei freundschaftlichen oder intimen Kontakten mit Deutschen drohten harte Strafen. Sie reichten von Gefängnis über die Einweisung in ein Konzentrationslager bis zur Todesstrafe. Dennoch wurden Kinder aus solchen Beziehungen geboren.

Das vielbeachtete Projekt „trotzdem da!“ mit gleichnamiger Ausstellung wurde von der Gedenkstätte Lager Sandbostel umgesetzt. Es erzählt die Lebensgeschichten dieser Kinder, die während des Zweiten Weltkriegs oder in der frühen Nachkriegszeit aus Beziehungen zwischen Deutschen und Kriegsgefangenen oder Zwangsarbeiterinnen hervorgingen. Die Soziologin Lucy Debus wird am Mittwoch, 18. Februar, 19 Uhr in der Villa ten Hompel, Kaiser Wilhelm Ring 28 in Münster, das Projekt und einzelne Biographien vorstellen. Lange nämlich wurden diese Kinder und ihre Eltern auch in der Nachkriegszeit diskriminiert. Viele erfuhren erst spät von ihrem familiären Hintergrund. Bei den Prozessen gegen NS-Täterinnen standen nur in wenigen Fällen Verantwortliche für Verbrechen an Zwangsarbeiter*innen und Kriegsgefangenen vor Gericht. Letzteren wurde eine Rehabilitierung und Entschädigung ebenso jahrzehntelang verweigert wie verurteilten deutschen Frauen, die wegen „verbotenen Umgangs“ verfolgt und bestraft worden waren. Die Biografien, die Teil des Projekts „trotzdem da!“ wurden, zeigen exemplarisch Gemeinsamkeiten, aber auch die Vielfältigkeit in den Lebensläufen auf. Das Mittwochsgespräch moderiert Karolin Engel aus dem pädagogisch-wissenschaftlichen Team der Villa ten Hompel. Eintritt frei.

Veranstalter*innen sind die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster, das Evangelische Forum Münster, die Regionalarbeitsgruppe Münsterland von Gegen Vergessen – Für Demokratie e.V., das LWL-Institut für westfälische Regionalgeschichte und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Westfalen-Lippe. Live kann der Vortrag auch online verfolgt werden.

Einwahllink per Zoom auf villatenhompel.de

Eine Begegnung im Jahre 1993: Anton Model, der als Kind aus einer vom NS-Regime verbotenen Beziehung stammte, mit seiner ukrainischen Mutter und Halbschwester. (© Privat)
Die Soziologin Lucy Debus betreut seit 2023 an der Gedenkstätte Lager Sandbostel das Projekt „trotzdem da“. Als Gast spricht sie Aschermittwoch in der Villa ten Hompel. (© Privat)